Die nächste Generation INTERVIEW MIT MONA UND JULIA VON DEN LANGHAARMÄDCHEN

INTERVIEW MIT MONA UND JULIA VON DEN LANGHAARMÄDCHEN

„Alles bei uns geschieht mit Liebe!“

Julia und Mona sind bereits vielfach ausgezeichnete Friseurinnen und Visagistinnen, als sie in Australien einen Plan fassen: die deutsche Friseurwelt zu revolutionieren. Mit ihrem mobilen Styling-Bus cruisen sie deutschlandweit von Event zu Event, wie zuletzt zum Münchner Oktoberfest.

Wen würdet ihr gern mal stylen?

Julia Engelmann, die macht Poetry Slam. Wir wollen auf jeden Fall so Mädels wie uns in unserem Bus haben. Oder auch Powerfrauen wie Barbara Schöneberger, die eh schon ihr eigenes Ding machen. Menschen, die andere inspirieren können.

Wie kamt ihr eigentlich auf die Idee mit dem mobilen Stylingwagen?

(Mona:) Die High-Fashion-Branche war immer mein Traum. Als ich dann dort war, hab ich nur gedacht: „Oh Shit, überhaupt nicht meine Welt. Irgendwie macht mich das gerade gar nicht glücklich.“ Und so bin ich nach Australien.

Ich fand mein Handwerk ziemlich geil, nur die Welt drum rum, die war nicht, wie ich mir das vorstelle. Also hab ich mir überlegt, was mir Spaß machen würde. Ich hab mir einen Bus gekauft und bin von Hostel zu Hostel gefahren, um die Mädchen dort zu stylen und hab Styling-Partys veranstaltet. Alle beschweren sich immer, dass der Friseur zu viel abschneidet, also hab ich Spitzen geschnitten für den guten Zweck.

Als ich langsam wusste, was mein Traum ist, ging es darum, ihn zu realisieren. Ich hab mich dann mit Unternehmertum beschäftigt, war nur noch in der Bibliothek und hab das Konzept für Langhaarmädchen runtergeschrieben.

(Julia:) Mona war auf Weltreise und ich in Würzburg. Aber mir ging es genauso: Ich war Deutschlands beste Jungfriseurin, vorher Meistertitel mit bayerischer Auszeichnung und so weiter. Ich war dankbar für mein Handwerk, aber irgendwas fehlte. Ich war von Mona und ihrem Plan schwer beeindruckt. Dann habe ich tatsächlich gekündigt, bin vier Wochen nach Australien und zusammen haben wir Monas Gedanken geordnet und den Traum von Langhaarmädchen wahr werden lassen.

Habt ihr noch einen Tipp, wie man seine Träume verwirklicht?

Man muss sich natürlich Gedanken machen, ob das, was man vorhat, sinnvoll ist. Braucht das jemand? Was sind die Bedürfnisse der Menschen? Und dann macht man einfach Schritt für Schritt. Du brauchst einen LKW-Führerschein? Dann mach ihn einfach. Haben wir auch, um unabhängig von anderen unseren Bus fahren zu können. Einfach die Scheuklappen mal ablegen, mit offenem Geist an die Sache rangehen und es mal ein bisschen anders machen als die anderen. Im Bus hatten wir keinen Fernseher und nichts, was uns ablenkt. Dann fängst du an, nachzudenken und auf deine innere Stimme zu hören.

Und wie kam es zu der Kooperation mit dm?

Als wir das erste Jahr auf der Wiesn waren, hat ProSieben einen Beitrag gedreht. Über den kam die deutsche Friseurakademie auf uns und wir haben dort ein Seminar gegeben. So wurde dm auf uns aufmerksam und hat uns als Stylisten für eine Messe gebucht. Da waren dann die Marketing-Manager von dm, die wir mit unseren Ideen vollgesprudelt haben. Und ein Jahr später stehen wir in unserem Bus und präsentieren unsere eigene Produktlinie. Einfach surreal.

Nutzt ihr nur noch eure eigenen Produkte?

(Mona:) Ausschließlich unsere eigenen und wir entwickeln schon weitere. Wir hatten von drei Produkten geträumt, herausgekommen sind 16. Bald sind es 21 Produkte in 13 Ländern. Wir schaffen es kaum, etwas anderes auszuprobieren, da wir jetzt schon wieder unsere neuen Produkte testen.

(Julia:) Manchmal gibt es Phasen, wo ich mal wieder mit Aveda arbeite, was auch die Benchmark für unsere Produkte ist.

Wolltet ihr jemals auf dem Weg hinschmeißen?

Wir hatten nie ein Tief, haben im ersten Jahr wirklich fast nichts verdient, aber das Vertrauen, dass es ganz groß wird, war von Anfang an da. Das war einfach eine Energie, die sich in Australien entwickelt hat: wir zu zweit, die wir uns gegenseitig pushen – wenn die eine einen schlechten Tag hat, zieht die andere sie wieder hoch.

Unsere Eltern haben sich irgendwann zusammengesetzt und gesagt: „Wenn ihr nach zwei Jahren immer noch kein Geld verdient, müssen wir was ändern.“ Und dann bääm, nach zwei Jahren lief es und unsere Papas so: „Okay, alle Schulden beglichen. Läuft.“

Was ratet ihr jungen Menschen, für die Handwerk noch kein Thema ist?

Einfach machen und ausprobieren. Gerade heute ist das sehr wichtig. Alle glauben, es gibt nur Anerkennung, wenn du Zertifikate von der Universität hast. Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass du mit dem Handwerk dein eigenes Unternehmen aufbauen kannst. Und gerade als Unternehmer und Manager, habe ich das Gefühl, macht man das dann vielleicht sogar besser als jemand mit BWL-Studium. Die haben einfach ein anderes Verständnis und auch nicht so den Bezug zum Kunden. Außerdem hast du als Handwerker dieses megaerfüllende Gefühl, wenn du heimgehst und was geschafft hast.

Wie nutzt ihr euren Social-Media-Auftritt?

Für uns ist es das optimale Portfolio, um unsere Visionen zu vermitteln, aber auch das Bunte, das Verrückte. Eine einfache und schnelle Möglichkeit, viele Leute zu erreichen, unsere Dienstleistungen anzubieten und den Kunden zu helfen. Wir sind froh, dass wir als Handwerker Anleitung geben können, zum Beispiel bei Produktanwendungen, die den Kunden jeden Tag helfen, genau den Effekt zu erreichen, den sie haben wollen.

Gibt es Vorurteile, mit denen ihr gern mal aufräumen möchtet?

Dass es uns immer nur um äußere Beauty geht. Das stimmt überhaupt nicht. Wir wollen, dass es unseren Kunden gutgeht. Der Beruf schafft Intimität mit Menschen, die du sonst eigentlich gar nicht kennen lernen würdest. Wer kommt einem sonst schon so nahe? Wohlfühlen kommt von innen, aber hat natürlich auch was mit dem Äußeren zu tun. Es ist ein heftiger Beruf. Du hast mindestens jede Stunde einen neuen Kunden, auf den du dich wieder neu einstellst. Jeder, der reinkommt, erwartet, dass du alles perfekt machst. Dann die zehn Stunden am Stück stehen und immer präsent sein, das ist eine echte Herausforderung.

Wie sieht ein typischer Tag bei euch aus?

Den gibt es nicht. Viel Kommunikation, Organisation, immer Vollgas. Ich treffe zum Beispiel auch ganz viele Menschen und Blogger, mit denen man kooperieren kann, die unsere Werte haben, unseren Stil. Ich geh zu denen nach Hause, zeig deren Community bestimmte Techniken und wie man die Produkte nutzt.

Was habt ihr für Visionen?

Auf jeden Fall wollen wir die Produkte weiter voranbringen, wollen besser werden, wollen mehr entwickeln. Eigentlich eine Revolution der Friseurbranche. Eine neue Philosophie. Und natürlich wollen wir unsere Marke Langhaarmädchen weiterentwickeln, Mehrwert liefern. Also fragen wir uns immer: Was können wir für unsere Kunden tun? Was würde uns selbst bei einem Friseurbesuch freuen?

Was bedeutet für euch Erfolg?

Die Freiheit, seinen Tag so zu gestalten, wie man sich das vorstellt. Seine Zeit mit den wichtigen Dingen zu verbringen. Und das sind Freundschaften, Familie, die Partnerschaft. Und dass sich die Mädchen, die zu uns kommen, wohlfühlen. Es geht nicht um Optimierung, sondern ums Wohlfühlen. Dank unseres Handwerks haben wir unseren Traum verwirklicht und unsere Erfüllung gefunden. Jetzt wollen wir andere inspirieren, damit die Mädels oder auch Jungs mehr über sich selbst nachdenken und ihren eigenen Wert erkennen.

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