Die nächste Generation Katharina Koch

INTERVIEW MIT KATHARINA KOCH

Was gibt’s bei dir zum Frühstück? Bircher Müsli oder Mettbrötchen?

Weder noch. Ich liebe Cappuccino, Croissant und Marmelade. Und natürlich ein Brötchen mit Ahle Wurst.

Du bist Unternehmerfrau 2017 geworden. Kannst du in einem Satz beschreiben, warum gerade du diesen Titel verdient hast?

Ich vermute, weil ich in dem eingereichten Konzept versucht habe, die traditionellen Stärken unseres Handwerks durch neue, innovative Bezüge zu erweitern.

Kaum ein Job ist bei jungen Menschen so unbeliebt wie der des Fleischers. Was denkst du, wie man dieses Image verbessern könnte?

Ich glaube nicht, dass der Beruf des Fleischers einen schlechten Ruf hat. Viele wissen inzwischen, dass die alten Klischees genau das sind – nämlich alte Klischees und Vorurteile. Es erstaunt mich jedoch manchmal, wie viele Leute immer noch damit um die Ecke kommen. Wir gehen ganz offen mit dem Thema um und zeigen, dass der Beruf heute nichts mehr mit dem veralteten Image zu tun hat. Wir sind auf Berufsmessen präsent und sprechen in Schulen direkt mit den jungen Leuten.

Dieses Jahr steht wieder die WM an. Was landet bei dir auf dem Grill?

Côte de Boeuf, für zwei Personen.

Welchen Rat würdest du anderen jungen Frauen im Handwerk mit auf den Weg geben?

Geht offen, interessiert und vorurteilsfrei an die Sache heran, freut euch über Lob, nehmt Kritik und Verbesserungsvorschläge ernst. Viele Kollegen geben ihre Erfahrung und ihr Wissen gerne weiter, hört ihnen zu!

Wie war deine erste Schlachtung?

Ich habe noch nie selbst geschlachtet.

Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder vegan. Was heißt das für deine Arbeit? Was bedeutet das für dich?

Wir haben mal aus Neugier versucht, eine vegane Ahle Wurst herzustellen. Am Ende waren wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden, mussten zu viele Zusatzstoffe verwenden, damit sie überhaupt nach irgendwas geschmeckt hat.
Generell ist es für das Fleischerhandwerk sehr positiv, dass sich die Menschen immer stärker mit ihrer Ernährung auseinandersetzen. Unsere Kunden kommen zu uns, weil sie regionale und nachhaltig produzierte Lebensmittel kaufen möchten. Da wir also ohnehin nicht auf Massenproduktion setzen, haben wir überhaupt kein Problem damit, wenn weniger Fleisch gegessen wird. Man muss nicht viel Fleisch kaufen, aber wenn man es kauft, dann gute Qualität aus angemessener Tierhaltung.

Isst du selbst täglich Fleisch?

Ja.

Wenn du ein neues Fleischprodukt erfinden könntest, welches wäre das?

Wir haben schon viele neue Wurstsorten erfunden, bis hin zur Gummibärchenbratwurst. Wenn ich eine neue Idee habe, setze ich mich mit den Jungs hin und wir machen es einfach.

Wie bist du auf die Idee der digitalen Fleischtheke gekommen?

Ich habe mir überlegt, wie man den Einkauf in der Fleischerei mit digitalen Hilfsmitteln verbessern kann. Damit man nicht immer in den Laden kommen muss, wenn man sehen will, was es gerade Leckeres gibt. Unser Onlineshop trägt den veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden Rechnung.

Dein Unternehmen „Wilhelmsthaler Wurstehimmel“ ist aktiv auf Facebook. Wer ist für den abwechslungsreichen Content zuständig?

Das Meiste poste ich selbst. Mein Vater und unsere Kollegen bringen aber auch Ideen ein.

Du bist zunächst einen anderen Weg gegangen, hast studiert, in Paris und New York gelebt. Was hat dich dazu bewogen, dieses Leben gegen die Nachfolge im heimischen Betrieb einzutauschen?

Da gibt es eigentlich keinen konkreten Schlüsselmoment. Ich habe lange überlegt und abgewogen und mich immer wieder gefragt, wo ich langfristig glücklicher und zufriedener sein würde. Es bereitet mir große Freude, selbstständige Handwerkerin zu sein. Ich kann meine Ideen direkt umsetzen und sehe am Ende des Tages, was ich geleistet habe. Ich kann mir keinen schöneren und abwechslungsreicheren Beruf vorstellen.

Hast du während deiner Zeit im Ausland auch etwas gelernt, das du jetzt zu Hause anwenden kannst?

Ich habe mich sicherlich von der guten französischen Küche inspirieren lassen und einige neue Rezepte ausprobiert. In Frankreich hat mir außerdem gefallen, dass die Menschen eine sehr hohe Wertschätzung für gute Lebensmittel haben. Dafür setze ich mich ebenfalls jeden Tag ein.

Was hebt deinen Betrieb von den typischen Dorfmetzgereien ab?

Wir sind eigentlich stolz darauf, eine typische Landfleischerei zu sein. Auch, wenn wir inzwischen fast ein Drittel unseres Umsatzes außerhalb des klassischen Ladengeschäftes machen. Wir sind dann vielleicht eher eine digitale Dorfmetzgerei.
Unser „Alleinstellungsmerkmal" ist natürlich unsere regionale Spezialität, die „Nordhessische Ahle Wurst". Darüber hinaus setzen wir uns durch die eigene Schlachtung und unsere Flexibilität ab. Wir können sehr gut auf individuelle Kundenwünsche eingehen und Innovationen zeitnah umsetzen.

Stichwort Familienbetrieb. Machen es die familiären Bande eher leichter oder gibt es auch schon mal Probleme, eben weil man sich so gut kennt?

Klar gibt es bei uns auch mal dicke Luft. Aber wir vertragen uns dann auch schnell wieder. Es bereitet mir sehr viel Freude, mit meiner Familie zu arbeiten. Meine Eltern beraten und unterstützen mich.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Zufriedenheit, Glück und das gute Gefühl, mit einem coolen Team etwas Tolles geleistet zu haben.

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