Die nächste Generation INTERVIEW MIT EVA-MARIA TRUMMER

INTERVIEW MIT
EVA-MARIA TRUMMER

LEIDENSCHAFT IN JEDEM SCHLIFF

Eva-Maria wird mit 22 jüngste Augenoptikermeisterin Deutschlands. Und dann? Geht es direkt in den eigenen Laden! Wenig später wird ihre Website zur besten des Handwerks gekürt. In ihrem Store in Erlangen führt sie heute 7 Angestellte und vertreibt neben hochwertigen Designerbrillen auch ihre eigene Meisterkollektion.

WAS BEDEUTET ES FÜR DICH, DIE JÜNGSTE AUGENOPTIKERMEISTERIN DEUTSCHLANDS GEWORDEN ZU SEIN?

Das hat mir sehr viel bedeutet. Ich war zwar keine schlechte Schülerin, aber auch kein Überflieger. Ich war noch im dritten Ausbildungsjahr, als ich mich an der Meisterschule angemeldet habe. Die Meisterschule habe ich mit großer Freude und Energie besucht und ich war natürlich sehr stolz, als jüngste Meisterin Deutschlands die Prüfung auf Anhieb bestanden zu haben.

DU HAST DICH SCHON MIT 22 SELBSTSTÄNDIG GEMACHT. WAS WAR DEIN ANTRIEB DAFÜR UND WARUM AUGENOPTIKERIN?

Während meiner Schulzeit habe ich mehrere Praktika gemacht. Ich war bei einer Bank, in einem Verlag und bei einem traditionellen Augenoptiker. Da habe ich sehr schnell gemerkt, dass das mein Ding ist. Die Ausbildung bei einem großen Optikerfilialisten war anspruchsvoll und gut. Aber ich habe schnell gemerkt, dass man die wirklich interessanten Sachen dort nicht machen kann. Ich wollte tolle Mode verkaufen und gute Beratung im Optikbereich bieten. Da wurde mir klar, dass das nur geht, wenn ich das in meinem eigenen Laden umsetze.

WIESO BLEIBEN VIELE AUSBILDUNGSPLÄTZE IM HANDWERK UNBESETZT? IMAGE ODER FALSCHE EINSCHÄTZUNG DER BRANCHE?

Das hängt ja zusammen. Die falsche Einschätzung kommt durch das schlechte Image. Die wenigsten Schüler wissen, welche grandiosen Möglichkeiten es im Handwerk gibt. Man kann seine Kreativität ausleben. Wer individuelle und außergewöhnliche Lösungen für seine Kunden schafft, hat nicht nur unglaublich viel Freude bei der Arbeit, sondern kann auch mit einem überdurchschnittlichen Einkommen rechnen. Das gilt für uns Optiker genauso wie für einen Fliesenleger. Außerdem kann man sich nach seiner Ausbildung selbstständig machen, was nicht in allen Berufen möglich ist.

WAS WÜRDEST DU TUN, WENN DU FÜR EINEN TAG EINE MILLION FOLLOWER HÄTTEST?

Ich würde sie einen Tag mit in meine Optikmeisterei nehmen und zeigen, wie vielfältig der Beruf ist und wie viel Freude wir im ganzen Team an unserer Arbeit haben.

MIT WELCHEN WÖRTERN WÜRDEST DU DEINEN BERUFSALLTAG AM EHESTEN BESCHREIBEN?

Kreativ, erfüllend, abwechslungsreich, herausfordernd und manchmal auch anstrengend.

WAS BEDEUTET ES FÜR DICH, ALS FRAU IM HANDWERK ZU ARBEITEN? WAS KANNST DU ANDEREN JUNGEN FRAUEN RATEN?

Ich nehme das Geschlechtsspezifische in meiner Arbeit mittlerweile nicht mehr wahr. Am Anfang musste ich mich schon das ein oder andere Mal behaupten. Kunden, Lieferanten, Kollegen und Wettbewerber spüren sehr schnell, ob man kompetent ist oder nicht. Mit Ratschlägen ist es immer schwierig, jeder ist in einer anderen Situation und hat andere Talente. Mein Tipp ist, sich nicht beirren zu lassen, auch neue Wege zu gehen und das, was man in sich spürt, auch durchzuziehen. Am Ende unseres Berufslebens werden wir nicht die Dinge bedauern, die wir gemacht haben, sondern die, die wir vielleicht aus Angst nicht gemacht haben.

WIE WAR DEIN ERSTER SELBST ERLEDIGTER JOB?

Ich war sehr stolz, als ich meinen ersten „eigenen“ Kunden in der Optikmeisterei beraten durfte. Tatsächlich hat sich dieser erfolgreiche Verkauf noch einmal ganz anders angefühlt als meine bisherigen Verkäufe.

WIE BIST DU AUF DIE IDEE GEKOMMEN, EINEN EIGENEN BLOG ZU SCHREIBEN?

Ich war von Anfang an viel in den sozialen Medien mit meinem Laden unterwegs. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft gibt es 14 Optikerläden, da musste ich die Dinge anders angehen als alle anderen. Die Resonanz, die ich auf diesem Weg erfahren habe, und die Fragen, die ich gestellt bekommen habe, haben mir gezeigt, dass es ein großes Bedürfnis nach Information gibt. Und wenn ich als Optikmeisterin informiere, dann hat das eine andere Wirkung als die Broschüren einer HWK oder die Aussagen von Lehrern.

WO FINDEST DU INSPIRATION?

Klingt komisch, aber tatsächlich überall: beim Radfahren, beim Spazierengehen, aber auch beim Mandalamalen, einem relativ neuen Hobby von mir, das entspannt mich total. Und dann meine Kunden – sie inspirieren mich durch ihre Fragen und Wünsche. Leider reicht meine Zeit im Moment nicht mehr aus, um alle Ideen, die es gibt, umzusetzen.

WAS IST FÜR DICH DER SCHÖNSTE MOMENT IM BERUF?

Es gibt viele schöne Momente. Zum Beispiel wenn alle Beratungsplätze in meiner Optikmeisterei besetzt sind und wir zu siebt beraten. Das macht richtig Spaß. Schön ist es auch, wenn ich einem Kunden, der schon lange Probleme beim Sehen hat, mit einer Brille von mir zum guten Sehen verhelfen kann. Ich genieße auch die Feiern, die wir regelmäßig mit unseren Kunden im Geschäft veranstalten. Meine Mitarbeiterinnen, die Kunden und ich, wir sind oft wie eine Familie. Es gäbe noch viel zu berichten, z. B. vom Gefühl, auf Anhieb die richtige Brille für einen Kunden zu finden … aber dafür reicht der Platz einfach nicht aus!

WENN DU EIN AUGENOPTIKERPRODUKT ERFINDEN KÖNNTEST, WELCHES WÄRE DAS?

Wir arbeiten gerade an unserer nächsten Optikmeistereikollektion, deshalb verrate ich an dieser Stelle noch nichts…

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