Die nächste Generation Craig Kammeyer

INTERVIEW MIT CRAIG KAMMEYER

Craig Kammeyer ist leidenschaftlicher Surfer. Tischler ist der 39-Jährige auch. Und hier gehen Hobby und Beruf plötzlich eine Symbiose ein: „Schon während meiner Ausbildung habe ich nach meinen Vorstellungen Bullis umgebaut, erzählt Kammeyer.

Fahrer- oder Beifahrersitz?

Um ehrlich zu sein, langweile ich mich auf beiden Plätzen relativ schnell. Beim Fahren hat man natürlich ein bisschen mehr zu tun. Aber gerade wenn man in Ländern unterwegs ist, in denen man noch nie war, bin ich lieber Beifahrer.

Was macht dein Handwerk besonders?

Die Kombination aus Fahrzeugbau und klassischem Möbelbau. Ich liebe es, weil man nur mit Kunden zu tun hat, die sich was gönnen, was Spaß macht und ihre Freizeit bereichert. Und ihren Alltag. Die sind immer gut drauf und haben ein Funkeln in den Augen. Das war für mich eine ganz tolle Entscheidung, weil du immer eine grundpositive Energie hast.

Wie weit geht dein Job über reine Tischlerarbeit hinaus?

Das Tischlern macht beim Ausbau tatsächlich nur ca. 30% der Arbeiten aus. Es gibt Wasser-, Gas-, Elektroinstallation, viel Karosserie- und Fahrzeugbauarbeit. Da braucht man einfach einen größeren Horizont und es spielen viel mehr Gewerke hinein.

Was war der entscheidende Moment dafür, dein Unternehmen zu gründen?

Ich war im Studium im Praxissemester recht frustriert, weil ich gemerkt hab, auf welchen Ingenieursjob ich da eigentlich hinstudiere. Dann habe ich meine große Leidenschaft rausgekramt. Ich hab mir gesagt: „Du bist Surfer. Du hast Lust draußen zu sein. Du hast deinen eigenen VW-Bus. Du bist gelernter Tischler. Du hast durch das Holzbau-Studium jetzt auch das entsprechende Know-how betriebswirtschaftlich.“ Und das war der Moment zu entscheiden: „Ja. Das mach ich jetzt!“

Was war dein bislang spannendstes Projekt?

Neben der unfassbar spannenden Existenzgründungs-Phase, in der man unglaublich motiviert ist und natürlich auch wahnsinnig viel arbeitet, war das sicherlich die Entwicklung unseres Flaggschiffs, der Holzklasse. Ein Designerbus, zusammen mit Nils Holger Moormann kreiert, einem bekannten Möbeldesigner aus Süddeutschland. Das war auch die interessanteste Erfahrung für mich, weil ich die Arbeit mal mit meinem Team ausgeführt habe und viele Ideen von extern kamen. Als das dann fertig war, war das ein ganz toller erhabener Moment.

Welches Projekt hat am längsten gedauert?

Das Projekt, das immer noch anhält und das sich Custom Bus auf die Fahne geschrieben hat. Nämlich, dass wir nicht wie andere Firmen in regelmäßigen Abständen ein Modell nach dem nächsten rausbringen. Wir haben 3 Grundmodelle und diese entwickeln wir kontinuierlich weiter. Obwohl wir der Meinung sind, dass das Produkt sehr ausgereift ist, kommen da immer noch Ideen und kleine Feinheiten, die man verbessern und weiterentwickeln kann.

Was war das für ein Gefühl, das erste Mal im selbst ausgebauten Bulli in den Urlaub zu fahren?

Das liegt lange zurück, weil ich meinen ersten Bulli mit 19 ausgebaut hab. Das war cool. Unglaublich. Endlich Platz haben. Das Surfmaterial liegt unter der Liegefläche. Du selbst obendrauf. Dann mit ein paar coolen Kumpels zum Strand. Der Wind ist super. Ihr sitzt abends zusammen, guckt aufs Meer und macht den Grill an. Einfach nur fett.

Du hast dein eigenes erfolgreiches Business aufgebaut. Hättest du im Rückblick etwas anders gemacht?

Ich hab mir keine großen Schnitzer geleistet. Dafür bin ich sehr dankbar. Weil das jedem passieren kann. Egal, wie intensiv man über seine Entscheidungen nachdenkt. Im Nachhinein sagt vielleicht auch jeder Unternehmer, dass er sich in den Anfangsjahren nicht so viel Stress hätte machen müssen und sich nicht so hätte aufreiben sollen. Aber natürlich waren diese Euphorie und die Energie, die dadurch frei wurde, der Grundstein für den Erfolg.

Du bist passionierter Surfer. Was braucht man, um exzellent zu werden, im Handwerk wie beim Surfen?

Ausdauer und viel, viel Übung. Surfen ist ein unglaublich undankbarer Sport. Meistens ist man an irgendeinen Spot weit gereist. Dann fehlt das Entscheidende: der Wind. Und wenn dann alles stimmt, muss man den Kram auch noch lernen. Sehr schwierig. Bis man richtig Gas geben kann, braucht das seine Zeit. Und so ist es im Handwerk im Grunde auch. Man lernt nie aus. Wird immer besser. Gerade, wenn man sich absetzen will mit seinem Produkt, braucht es einfach Zeit, bis man richtig was draufhat.

Was rätst du jungen Menschen, für die Handwerk bislang keine Option war?

Ich rate ihnen auf jeden Fall darüber noch einmal nachzudenken. Es ist ein fantastisches Gefühl, dass man etwas herstellt, das man mit seinem eigenen Können umgesetzt hat, das bleibt, und das man an einen Kunden übergibt, der dann damit glücklich wird. Es lebt weiter. Wenn du im Büro arbeitest, dann verschwinden die Sachen. Sie sind nur in Textform gespeichert. Deswegen kann ich nur jedem raten, im Handwerk zu starten, auch wenn er noch ein Studium hinten dransetzten will.

Wann hattest du das letzte Mal Zeit mit deinem Van loszudüsen?

Das war ein Kurztrip letzte Woche für 2 Nächte. Und in 3 Wochen geht’s los mit der Familie zu fünft. In einem Bus nach Italien. Und vorher sind wir noch 4 Tage auf einem Festival. Ohne Kinder. (Lacht.) Ist seltener geworden als in der Lehre und dem Studium, da war ich ständig unterwegs. Aber ich nehm mir die Zeit. Das ist wichtig.

Was war der verrückteste Kundenwunsch in deiner Zeit bisher?

Also der Punkt ist, dass ich ja ein Baukastensystem entwickelt habe, das die größte Variationsvielfalt für den Kunden bietet. Der Kunde hat so das Gefühl, dass er eine maßgeschneiderte Lösung erhält. Während wir aber relativ schnell industriell fertigen können. Aber kleine Wünsche machen mir trotzdem Spaß. Ob es die Extraröhre für den Angler ist oder der Kitesurfer, der sein Board übers Bett hängen will. Was mir auch viel Spaß macht, sind Lösungen für Kunden mit Handicap. Da schauen wir dann gemeinsam: Welche Probleme gibt es, was könnten die Lösungen sein, damit man sich möglichst frei im Bus bewegen kannst? Das kann ein Rail sein, an dem man sich entlanghangelt oder ein Klicksystem, um den Rollstuhl zu befestigen. Sowas macht große Freude, weil gerade Leute mit Handicap mit so einem Bus ein Riesenplus an Gestaltungsmöglichkeiten im Alltag und Urlaub bekommen. Da ist die Motivation natürlich groß.

Welche Projekte kommen als Nächstes?

In der Pipeline ist ein ganz großer neuer Wurf. Da lassen wir so in 3–4 Monaten die Katze aus dem Sack.

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